Die Schlösser der Grafen von Bissingen und Nippenburg und ihre wechselvolle Geschichte

Groß, Friedrich Adam (Baurat, Stuttgart), Schloss, Schramberg, 1841 - 1843

In den Jahren 1771 bis 1773 ließ Ferdinand Graf von Bissingen und Nippenburg (1749-1831) ein Barockschloss im Schramberger Tal bauen. Bereits fünf Jahre nach Fertigstellung zerstörte ein Hochwasser große Teile dieses Gebäudes. Da der Erbauer in österreichische Staatsdienste trat, wurde der Bau nicht renoviert und blieb meist unbewohnt. Während der napoleonischen Kriege wurde er häufig als Quartier für Stäbe durchziehender Truppen genutzt. Ab 1820 diente das Schloss u.a. der Steingutmanufaktur Faist als erste Fabrikationsstätte.

1839/1840 wurde das alte Schloss schließlich abgerissen und in den Jahren 1841-1843 ließ Graf Cajetan von Bissingen und Nippenburg d.Ä. (1806-1880) einen Neubau im spätklassizistischen Stil mit Parkanlage nach Plänen von Oberbaurat Groß und Oberhofgärtner Bosch aus Stuttgart erbauen. Das Schloss diente fortan wieder als Wohnsitz der gräflichen Familie.

Bereits im Jahre 1920 bekundete die Stadt erstmals Interesse am Erwerb von gräflichen Besitzungen. Hintergrund hierfür war eine Bitte der Eisenbahnverwaltung, die einen Teil des Areals zur Bahnhofserweiterung benötigte. Graf Cajetan von Bissingen und Nippenburg d.J. (1870-1956) war zur damaligen Zeit aber noch nicht bereit Teile des Geländes zu veräußern. So konnte nach längeren Verhandlungen keine Einigung erzielt werden.

1923 wurde durch den damaligen Stadtschultheiß Eugen Ritter (1880-1940) ein erneuter Versuch unternommen, dass Schloss samt Parkanlagen und Teile des gräflichen Tiersteingeländes für die Stadt Schramberg zu kaufen. Man benötigte ein neues Schulgebäude, eine weitere Zufahrtsstraße zum Bahnhof und Gelände zum Wohnungsbau.

Am 14. September 1923 wurde das Schloss mit Nebengebäuden, Parkanlagen und Areal im Tiersteingelände an die Stadt Schramberg und eine Käufergemeinschaft, bestehend aus Schramberger Industrieunternehmen und Gewerbetreibenden, verkauft. Der Kaufpreis betrug damals die Summe von 100000 US Dollar, von denen 35000 Dollar die Stadt Schramberg übernahm.

Graf Cajetan von Bissingen und Nippenburg brachte der Verkauf des Geländes und Gebäudes, der der Stadt nun die Möglichkeit bot die bauliche Fortentwicklung voranzutreiben, die Ehrenbürgerwürde ein. Die gräfliche Familie lebte noch bis im Spätherbst 1925 im Schramberger Schloss und übersiedelte dann in den auf Hohenstein bei Rottweil 1924/25 erbauten neuen Familienwohnsitz.

Von 1926 bis 1979 wurde das Gebäude als Schule genutzt. Hier waren zeitweise Grund- und Realschule sowie die Gewerblichen, Kaufmännischen und Hauswirtschaftlichen Berufsschulen untergebracht.

1979 bis 1982 wurde das Schloss komplett restauriert und saniert und ab 1982 als Kulturzentrum mit Stadtbibliothek, Stadtarchiv und Stadtmuseum genutzt. Mit dem Auszug der Stadtbibliothek vor wenigen Wochen, wird nun ein weiteres Kapitel in der Geschichte des Schlosses aufgeschlagen.

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